Personal Power

Pssst, das sagt man doch nicht!

"Negerkuss! Zigeunerschnitzel!“ Pssst, das sagt man doch nicht. Diese Anleitung zum politisch korrekten Umgang in der zwischenmenschlichen Kommunikation hat sich inzwischen stark verbreitet und viele Bereiche befallen. Es scheint so, als würden die Verantwortlichen denken, dass der Grund, die Ursache verschwindet, wenn man wegguckt oder es nicht mehr ausspricht. „Der schlägt seine Frau! Die geht doch mit jedem ins Bett!“ Pssst, das sagt man doch nicht. Echt jetzt? Werden sich diese Verhaltensunarten in Luft auflösen, wenn man sie nicht mehr ausspricht?Doch so verhält es sich ja nicht nur im Privatleben. Diese Anleitung hat das Berufsleben ebenso heftig befallen. Als ES endlich einen Namen hatte und somit ein Gesicht bekam, wurde es heftigst verpönt. „Wer macht denn sowas?“ Das hört man auf den Fluren, doch hinter verschlossenen Türen heißt es: „Pssst, das sagt man nicht!“ Mobbing gibt es offiziell nämlich gar nicht. Da sei die Frage erlaubt, wie man ein denunzierendes, abwertendes, demoralisierendes Verhalten gegenüber Kollegen und Untergebenen sonst nennen soll. Wie soll ich es nennen, wenn mehr und mehr Frauen aus ihrem Job gedrängt werden? Wie soll ich es sonst nennen, dass Männer denken, dass Frauen in bestimmten Jobs eh nichts zu suchen haben. Auch wenn das natürlich keiner ausspricht. „Pssst, ...“, Sie wissen schon. Was bedeutet es denn sonst, wenn einem gesagt wird, das die Leistung nicht den Anforderungen entspricht was nicht bewiesen werden kann und man zudem keine Möglichkeit zur Anpassung – sprich Schulungen – erhält? Was bedeutet es denn sonst, wenn einem gesagt wird, dass die Leistung weit unter der für diese Gehaltsklasse üblichen läge?Nun, ich bin mir sicher, dass viele Männer über derartige Anfeindungen hinwegsehen. Das erklärt mir auf jeden Fall, warum so viele Stellen von Menschen besetzt sind, die nicht gut genug qualifiziert sind. Ich bin sicher, dass Frauen sich derartige Anfeindungen zu Herzen nehmen und somit zur leichten Beute werden. Natürlich nimmt der Vorgesetzte den Weg des geringsten Widerstandes. Ist doch klar.Werden Sie gemoppt? Sprechen Sie darüber. Fordern Sie Qualifikationsmaßnahmen ein. Gerade dann, wenn Sie schon lange bei einem Unternehmen beschäftigt sind, sind Anfeindungen oft unangemessen und nicht belegbar.Holen Sie sich Unterstützung. Im Betrieb oder auch außerhalb. Werfen Sie Ihren Status nicht leichtfertig über Bord. Wenn Sie sich nichts zu Schulden haben kommen lassen, atmen Sie tief durch und bleiben Sie standhaft.Nur, weil es keiner mehr ausspricht ist es nicht aus der Welt. Mobbing besteht nach wie vor und erfreut sich bester Gesundheit.

6.7.17 16:35, kommentieren

Glück und dessen Wahrnehmung

Willst du glücklich sein oder Recht haben?… ist eine sehr alte und allumfassende Weisheit, die leider mehr und mehr verloren geht. Heute müssen wir alles im Griff haben, unter Kontrolle haben, der Bestimmter sein. Und obwohl wir immer und immer wieder erkennen, dass Planung die eine Hälfte unseres Lebens ist und das Unerwartete die andere Hälfte, kommen wir nicht auf die Idee, dass uns Kontrolle und Rechthaberei nur von einem abhalten … davon, glücklich zu sein.Bereits im Kindergarten werden solch manipulativen und entwicklungsschädigende Erziehungsmethoden angewandt. „Du bist hier nicht der Bestimmter!“, hört man unentwegt. Ich weiß, ich wiederhole mich, doch das muss ich offensichtlich auch, weil die Botschaft dazu beiträgt, dass jeder, der sie versteht, glücklich sein kann.Gerade in der Kinderzeitung, aber auch im Umgang mit anderen Menschen, neigen wir dazu vorauszusetzen, dass sie verstehen und nachvollziehen können, was wir ausdrücken wollen. Hier ein Beispiel:Eine Mutter schimpft mit ihrem 4-Jährigen Kind: „Trödel nicht so sonst verpasse ich den Bus!“ Das Kind trödelt weiter. Erwachsene meinen, dass das Kind die Mutter ärgern will. Echt? Wie wäre es, wenn sie erkennen würden, dass das Kind außer Stande ist die Botschaft hinter dieser Aufforderung zu verstehen? Denken Sie, dass das Kind sich Gedanken darum macht, dass die Mutter eventuell zu spät zur Arbeit kommt, eine Abmahnung erhält, eine Kündigung und dann Probleme mit der Versorgung haben könnte? Echt? Eben. Und auch wenn die Mutter ihrem Kind diese Problematik beschreiben würde könnte das Kind die Konsequenzen nicht nachvollziehen, weil es keine Erfahrungswerte heranziehen kann.Ein weiteres Beispiel:„Du bist NICHT der Bestimmter!“, bedeutet was? Diese Botschaft wirft in erster Linie weitere Fragen auf und kann im schlimmsten Fall eine Identitätskrise herbeiführen… und Sie haben nicht mal erkannt, dass Sie diese Krise - durch das unachtsame Verwenden von Phrasen - möglicherweise ausgelöst haben. „Wenn ich nicht der Bestimmter bin, wer bin ich dann?“ Das Kind soll instinktiv wissen, welche andere Rolle es einnehmen soll. Erwachsene können so stumpf sein. Die meisten können sich nicht in die Lage eines anderen Menschen, geschweige denn in die eines Kindes versetzen. Sie diskutieren mit Kleinkindern und erwarten, dass diese „vernünftige“ Entscheidungen treffen. All dies tun Erwachsene dann auch noch unter dem Deckmantel der „Kindlichen Selbstverwirklichung“. Gelinde gesagt ist das ein Alptraum.Es ist an Ihnen, vernünftige - und im Interesse aller Beteiligten - Vorgaben zu treffen. Verbannen Sie „NICHT“ Anweisungen aus Ihrem Sprachgebrauch. Aber vor allem, erkennen Sie, was genau dazu beiträgt, dass Menschen glücklich sind.Und noch eins:„Wie viele Retter soll ich dir denn schicken?“Ein Mann wird auf der Straße angefahren. Die Fahrerin des Fahrzeugs kümmert sich natürlich um ihn und sagt ihm, dass ein Notarzt unterwegs ist. Der Mann entgegnet: „Nicht nötig. Gott wird mir helfen!“ Als der Rettungswagen eintrifft und dem Mann Hilfe anbietet, lehnt er diese ab. „Nicht nötig, danke. Gott wird mir helfen!“ Der Mann verstirbt. Im Himmel trifft er auf Gott und fragt ihn empört, warum er ihm nicht geholfen habe und Gott antwortete: „Wie viele Retter sollte ich denn noch schicken?“ Wenn du eine feste Vorstellung davon hast, was genau dich glücklich machen soll, dann erkennst du diejenigen Dinge nicht, die dich glücklich machen würden, wenn du sie denn erkennen würdest. Wenn die Antwort auf deine Wünsche und Gebete von den Ergebnissen, die du erwartest abweichen, dann betest du immer weiter und sprichst deine Wünsche immer wieder aus ohne zu erkennen, dass sie bereits erfüllt wurden.Ich weiß, man muss über diese Zeilen eine Weile nachdenken. Gönnen Sie sich die Zeit. Wenn Sie die Aussage verstehen und nachvollziehen können, wird Ihnen das ganz sicher helfen.

6.6.17 15:27, kommentieren