Personal Power

Opfer der Perfektion, Teil I

Opfer der Perfektion ist die nächste Generation, die immer noch besser sein muss. Perfektion bedeutet nämlich Vollkommenheit. Nun sind Menschen aber nun mal von Natur aus unvollkommen und so ist Perfektion am Ende nichts anderes, als eine Einbildung. Menschen, die nach außen hin perfekt scheinen, weil sie perfekt sein wollen oder müssen, haben sich ein Verhalten angeeignet, dass uns allen sehr geläufig ist. Wenn ihnen ein Fehler unterläuft, und das wird es irgendwann, dann schieben sie alles auf andere. Sie selbst sind ja perfekt, wie kann ihnen da ein Fehler unterlaufen. Und es wird immer jemanden geben, dem man etwas in die Schuhe schieben kann. Und wenn nicht, dann gibt es immer noch die Verleugnung und Ignoranz. Diese Opfer der Perfektion meinen es nicht mal böse, sie wurden so erzogen und das ist eines der Beispiele, das veranschaulicht, wie konsequent unsere Erziehung unsere Wahrnehmung und damit unseren Lebensstil prägt.

Ein weiterer, aus heutiger Sicht, Nachteil dieser Erziehung ist, dass die Generationen immer narzisstischer werden. Das führt nicht nur zur Überflutung des Internets mit Selfies, das wird von der Industrie auch durch die Wettbewerbsfunktion gefördert. Wenn wir uns im Wettbewerb um eine Stelle bemühen und gewinnen, dann sollte uns diese eigentlich für viele Jahre oder sogar Jahrzehnte sicher sein. Das ist sie aber nicht mehr. Weiterhin führt Wettbewerb zur Spezifikation. Es bilden sich immer einzelne „Vorteile“ heraus, es wird gefördert, wer sich am besten durchsetzen kann, wer dem Stress am besten widerstehen kann, aber keine Entwicklung. Entwicklung basiert auf Zusammenarbeit. Das sogenannte Kohärenzgefühl bringt uns in das Stadium der Weiterentwicklung. Dieses Gefühl wird beim Wettbewerb, wo jeder gegen jeden antritt, nicht erzeugt. Dabei sind die mittlerweile außer Kontrolle geratenen Team Challenges auch funktionslos geworden, weil die Teamplayer dennoch individuell beurteilt und gefördert werden. So wie im Fußball. Ein Verein ist ein Team. Gefördert wird immer der beste Spieler. In den Vereinen, in denen Teamfähigkeit nicht besonders belohnt wird, erkennt man die Auswirkung sehr deutlich und zwar an der Position in der Bundesligatabelle.

Dabei steht der Gesundheitswettbewerb sich zudem selbst im Wege. Wir sind - wie gesagt - Menschen und keiner kann in allen Lebensbereichen perfekt sein. Viele sagen, dass sie es sind, aber das ist nur Fassade. Wenn man als außenstehender auf deren Leben blickt, dann wird man die Einschränkungen bald erkennen. Entweder bin ich im Beruf super und vernachlässige mein Privatleben, oder umgekehrt. Ein Karrieremensch ist weniger für seine Familie da und ein Familienmensch macht keine herausragende Karriere. Gut, die Wissenschaft arbeite ja daran, uns Platinen zu implantieren, die uns dann vielleicht perfekt machen können, aber Menschen werden wir dann nicht mehr sein.

12.1.18 11:51

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