Personal Power

Aufmerksamkeitstraining Teil I

Natürlich nennt man das heute nicht mehr Aufmerksamkeitstrainingsbeauftragter (übrigens, cooles Wort für `Galgenmännchen’, wenn man das heute noch spielen würde. Zugegeben, es ist etwas makaber, hilft aber der Sprache auf die Sprünge), oder nur selten. Es heißt „Chief of Mindfulness Officer“. Hinter dieser pompösen Berufsbezeichnung verbirgt sich die neue Welle der Manipulation menschlichen Verhaltens. Nachdem Resilienz offensichtlich nicht gut angenommen wurde, steht nun Mindfulness auf dem Plan. Dabei ist es nur ein anderer Name für die gleiche Zielsetzung. Mitarbeiter, die aufgrund von vermeintlich erforderlicher Unterbesetzung leistungsfähiger sein müssen. Und wie nett, dass der Arbeitgeber das finanziert. Die Arbeitgeber finanzieren das, weil es günstiger ist, einen Mindfulness Officer einzusetzen, als 10% mehr Mitarbeiter. Diese Stelle wird auch nur in Firmen geschaffen, in denen sich eine solche Ausgabe rentiert. Die anderen werden weiterhin das Fitnesscenter bezuschussen. Immerhin.Doch macht uns das wirklich gesund und leistungsfähig?

Das Ergebnis des Aufmerksamkeitstraining ist, dass man sich entspannter fühlt, nicht mehr so schnell ausrastet … was wirklich gut ist. Aber wie bei allem im Leben geht es um das gesunde Mittelmaß und die sich dahinter verbergende Absicht. Denn die Vergangenheit zeigt uns ganz deutlich, dass Wut uns dazu bringt, neue Wege zu gehen. In Maßen, nicht cholerisch, versteht sich. Doch wird diese Wut nicht kanalisiert, dann hat sie auch keine positive Wirkung mehr. Interessant ist auch, welcher Typ Mensch sich den Frimenangeboten anschließt. Werden nur Mitarbeiter trainiert oder auch das Führungspersonal? Denn was hier zu berücksichtigen ist, ist, dass dieses Training nur erfolgreich ist, wenn man es wirklich will und wenn eine erhebliche Überzahl es auch umsetzt. Einfach nur teilzunehmen, weil man angewiesen wurde, kann durchaus auch das Gegenteil bewirken. Doch was, wenn die Mitarbeiter entspannt und tatkrätig ihre Arbeit verrichten und die Vorgesetzten sie mit Aggression, Wut und Stressverhalten überschütten? Und wenn alle entspannt sind, kann eine Firma dann erfolgreich sein?

Also fragen wir uns - wie gesagt - welche Menschen diesen Angeboten verfallen. Welche Menschen sich so wenig selbst einschätzen können, dass sie leicht dazu zu bringen sind, neuen Formeln und Formaten Glauben zu schenken, um ihren Wert zu verbessern. Richtig. Menschen, die in der Kindheit erleben mussten, dass sie nur geliebt werden, wenn sie Leistung zeigen. Es ist nachgewiesen, dass bei Kindern das Gehirn schrumpft, wenn sie nur durch Leistung Aufmerksamkeit und Liebe erhalten. Denn dann können sie sich nicht dem Großen und Ganzen witmen, dann konzentrieren sie sich darauf, etwas zu finden, dass ihnen Aufmerksamkeit schenkt. Das wiederum ist bekanntlich abhängig von den Anforderungen, die die jeweiligen Eltern stellen. Alles ander bleibt da leider auf der Strecke. Und am Ende erhalten wir Roboter, die ein vorgegebenes, eingeschränktes und durchgeplantes Leben leben, das ihnen die Wahrnehmung des Lebens verbietet. Raus zu gehen, um die Sonne auf der Haut zu spüren, was im übrigen sehr gesund ist und die Hormonproduktion ankurbelt, wird durch den Plan ersetzt, raus zu gehen, um zu joggen und zwar von vierzehn bis fünfzehn Uhr. Keine Minute eher und keine später. Das ist zwar perfekt, führt aber nicht zum gewünschten Ausgleich, den die Freizeit eigentlich leisten muss. Und ja, Bewegung baut Stress ab. aber nur, im richtigen Kontext. Es ist nicht das, was wir tun, dass uns stresst sonder das, was wir darüber denken.

Menschen brauchen Grenzen. Und die schaffen wir uns durch diese Formate. Doch diese ungesunden Grenzen schaffen wir, weil wir keine gesunden Grenzen erfahren haben, als wir sie hätten erfahren müssen. In der Erziehung. Wer keine Grenzen aufgezeigt bekam, wer keine Rahmenbedingungen für sein Leben beigebracht bekam, der wird sich auf die Vorgaben einlassen, die ihm gegeben werden. Nur haben die Herausgeber solcher Maßnahmen nicht unbedingt das Wohl der Menschen im Hinterkopf, sondern eher den Profit, den sie erreichen können.

2.4.18 18:33

Letzte Einträge: Aufmerksamkeitstraining Teil II, Anpassungsfähigkeit Teil II, Anpassungsfähigkeit Teil III, Entschuldigung, Anpassungsfähigkeit Teil IV, Was wäre wenn?

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